Reifendruckregelanlage – so beraten Werkstätten richtig!

Viele Traktoren und gezogene Maschinen werden inzwischen ab Werk mit einer Reifendruckregelanlage geliefert. Werkstätten müssen sich neben der Wartung vor allem um die Nachrüstung von Reifendruckregelanlagen kümmern. Knifflig ist nicht unbedingt die Technik selbst, sondern wann und wie man sie einsetzt.

Der ideale Innendruck schont Acker und Reifen und drosselt den Spritverbrauch. Dabei hilft eine Reifendruckregelanlage.

Wann eine Reifendruckregelanlage sinnvoll ist

Reifendruckregelanlagen (RDA) sparen dort Geld, wo Maschinen oft mit unterschiedlich hoher Zuladung zwischen Feld und Straße wechseln. Für das bodenschonende Arbeiten auf dem Acker soll der Reifendruck möglichst niedrig sein. Das vergrößert die Aufstandsfläche, was zu weniger Schlupf und Kraftstoffersparnis führt. Außerdem verringert eine größere Aufstandsfläche die Bodenverdichtung und verbessert so die Ernte.

Auf der Straße sollte der Reifeninnendruck hingegen möglichst hoch sein, um mit geringerem Rollwiderstand Sprit zu sparen und den Reifen zu schonen. Auch wenn eine RDA in der Anschaffung nicht gerade günstig ist, lohnt sich die Investition, wie Prof. Dr. Ludwig Volk für das „DLG-Merkblatt Traktion“ gezeigt hat. Reifen, die im richtigen Druckbereich gefahren werden, halten rund 1000 Betriebsstunden länger. Außerdem verbessern sich die Zugleistung und der Treibstoffverbrauch des Traktors um bis zu  10 Prozent, wie die Studie von Prof. Dr. Volk belegt.

Anbieter und Merkmale von Reifendruckregelanlagen

Der Markt für Reifendruckregelanlagen ist auf Anbieterseite recht übersichtlich. Nennenswerte Anbieter sind die PTG Reifendruckregelsystem GmbH aus Neuss, die Firma Steuerungstechnik StG aus Hilter a. TW sowie die Traktorenhersteller Fendt und Claas, die eigene Anlagen anbieten. Die unterschiedlichen Anlagen unterscheiden sich hinsichtlich Preis und Leistung merklich. Neben nahezu wartungsfreie Installationen gibt es Fabrikate mit Zusatzkompressoren, wie sie für besonders große und voluminöse Reifen nützlich sind. Diese Kompressoren müssen in regelmäßigen Zeitintervallen frisch gefettet werden, was den Wartungsaufwand erhöht. Ein weiteres Leistungsmerkmal von Reifendruckregelanlagen ist die Geschwindigkeit, bei der eine Anpassung des Luftdrucks vorgenommen werden kann. Einige ermöglichen eine Druckanpassung nur bei stehendem Fahrzeug, andere bei Geschwindigkeiten von 10 bis zu sogar 60 km/h – natürlich immer abhängig von angebauten oder gezogenen Geräten und Maschinen.

Vorbereitete Felgen verbauen

Ein normales Rad ist nicht unmittelbar für den Einbau oder die Nachrüstung einer Reifendruckregelanlage geeignet. Werden später Änderungen etwa durch die Werkstatt vorgenommen, kann die Garantie entfallen. Daher: Für Schlepper und Fahrzeuge, die ein gewisses Einsatzspektrum haben, schon vorher daran denken.

 

Die vorbereiteten Felgen werden mit einem Verschlussstopfen ausgeliefert, sodass der Kunde sich jederzeit dazu entscheiden kann, eine Reifendruckregelanlage nachrüsten zu lassen. Der Handel hält hier die passenden Adapter für jede Standardbohrung bereit.

Kunden aufklären

Werkstätten sollten ihre Kunden immer wieder daran erinnern, wie wichtig der richtige Reifeninnendruck für eine lange Reifenlebensdauer, die erhofften Einsparungen im Betrieb und höhere Erträge durch Bodenschonung ist.

Zwei Themen sollten Werkstätten ihren Kunden in diesem Zusammenhang vermitteln.

a. Zeitpunkt für die Reifendruckänderung

Erst nach Erreichen des Ackers sollte der Druck gesenkt werden und vor Verlassen des Ackers wieder angehoben werden. Andernfalls kann der Reifen Schaden nehmen. Auch wenn sich der erst später bemerkbar macht, leidet die Lebensdauer des Reifens empfindlich. Auch ein nachlässig eingestellter Luftdruck schadet dem Reifen auf Dauer.

b. Luftdrucktabelle ist das A und O

Wer das Gewicht seiner Maschine kennt und weiß, wie schnell er auf welchem Untergrund fahren darf, kann den idealen Reifendruck aus einer Luftdrucktabelle für das Profil leicht ablesen. Eine solche Feinjustierung fällt in der betrieblichen Praxis schon mal unter den Tisch.

Maschinen vermessen

Ein großes Plus an Leistung erreicht ein Traktor erst, wenn der Reifendruck exakt auf den Einsatzzweck, die jeweilige Traglast und die Geschwindigkeit abgestimmt ist. Dafür müssen Werkstätten oder Fahrzeugführer die Maschine erst einmal mit und ohne Anbaugerät wiegen. Den idealen Druckbereich können Anwender dann in einer so genannten Luftdrucktabelle nachlesen. Zu finden sind die für jeden Reifen individuelle Tabelle entweder beim Reifenhersteller oder im Reifenhandel.

IF- und VF-Reifen bei Luftdruckregelung im Vorteil

Wenn es möglich ist, sollten bei einer Reifendruckregelanlage auch immer IF- und VF-Reifen verbaut werden. Sie können mit einem deutlich geringerem Reifendruck bei gleicher Tragfähigkeit gefahren werden. Für den Einsatz einer RDA bedeutet das: Weil der Luftdruck nur um wenige Bar erhöht oder abgesenkt werden muss, fällt die nötige Luftdruckanpassung niedriger aus. Das spart deutlich mehr Zeit und erhöht die Bereitschaft des Fahrers die Anlage auch zu nutzen.

Noch ein Verkaufsargument zum Abschluss

Seit dem 23. Juni 2021 können Landwirte nach rund halbjähriger Pause wieder ein Zuschuss aus dem Bundesprogramm Energieeffizienz für den Kauf automatischer Reifendruckregelanlagen beantragen. Der Fördersatz beträgt generell 30 Prozent; eine Ausnahme bilden Maschinengemeinschaften und Lohnunternehmen. Sie bekommen zwar nur 15 Prozent des Anschaffungspreises erstattet, aber auch die Kosten für einen Zusatzkompressor auf Anhängern.

Im Gegensatz zu den bislang geltenden Regeln wurden die Förderbedingung verschärft. Förderfähig sind nun ausschließlich RDA, die sämtliche Achsen des Fahrzeugs erfassen; zuvor hatte eine Nachrüstung der Hinterachse ausgereicht.